Drei Dartpfeile im Bullseye einer Dartscheibe, um Perfektionismus zu symbolisieren

Perfektio­nismus

Gut genug nicht gut genug?

Ist für Sie auch schon längst gut nicht mehr gut genug? Und auch das Prädikat  „sehr gut” ist noch zu weit weg von der eigenen Zielsetzung? Ein hoher Anspruch an das, was man tut oder was man von anderen erwartet, ist durchaus eine gute Eigenschaft, wenn aber der eigene Perfektionsgedanke oder die Erwartungshaltung derart unrealistisch hoch sind, dass die Psyche leidet, sollte man sich Rat suchen!

Was ist 
Perfek­tionismus?

Hinweis: Bei allen Symptomen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung unabdingbar, da diesen sehr ernste Erkrankungen zugrunde liegen können. Wir empfehlen deshalb, sich an Ihren behandelnden Facharzt oder Hausarzt oder an die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu wenden.

Perfektionismus bezeichnet das Streben der betroffenen Menschen nach einem Ideal von Perfektion oder Vollkommenheit. Dies kann Perfektion in spezifischen Aufgaben oder auch diversen Lebensbereichen bedeuten. Der Perfektionist kann seine extrem hohen eigenen Ansprüche zum allgemeingültigen Maßstab seines Lebens erheben und daran in den verschiedenen Lebensbereichen festhalten, wodurch Ängste vor Fehlern entstehen, die nicht (mehr) in Relation zu der potenziellen Bedrohung (dem Fehler) stehen. Aufgrund dieser ungesunden, perfektionistischen Haltung entsteht früher oder später ein schwerer Leidensdruck für Perfektionisten.

Behandlung von Perfek­tionismus

Das Streben nach Perfektion ist nicht per se mit einem behandlungsbedürftigen Leidensdruck verbunden. Der eigene Perfektionismus ist vertretbar, wenn eine Toleranz für eigene Fehler und die Fehler anderer gegeben ist, ohne dass die Ausprägung negativer Gefühle (wie Angst oder Wut) damit einhergeht. Die Therapie orientiert sich an Art und Schwere der Zwangsstörung und ist individuell auf den Patienten abgestimmt.


Typisch für die Behandlung ist eine psychotherapeutische Verhaltenstherapie, seltener auch eine damit verbundene medikamentöse Therapie. Auch Entspannungstechniken können helfen, mit nicht mehr als gesund geltenden zu hohen persönlichen Ansprüchen und dysfunktionalem Perfektionismus umzugehen. In der Therapie geht es unter anderem darum zu verstehen, dass perfektionistisches Streben im Fall von zu hohen Ansprüchen negativen Stress beim Patienten verursacht und psychische Symptome mit sich bringt. Dieser Stress kann, wenn er nicht behandelt wird, Ursache für starke Kritik am eigenen Selbstwert sein und die eigene Leistungsfähigkeit immens einschränken. Verschlimmert sich die Problematik, besteht selbst ein Risiko für die eigene Gesundheit, da sich dem Betroffenen mit der Zeit Ängste, Burnout und andere psychosomatische Störungen aufdrängen.


Was können Sie gegen Perfektionismus tun?

Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, dass niemand perfekt ist. Jeder macht Fehler, denn diese gehören zum Leben dazu und sind eine wichtige auslösende Ursache für die zukünftigen Lernerfolge jedes Individuums. So ist die Angst vor einem möglichen Versagen für die eigene Entwicklung nicht nützlich. Vielmehr hilft es, den Fokus auf das bisher Erreichte, die eigenen Erfolge und Leistungen zu lenken. Darauf stolz zu sein, ist ein entscheidender Schritt, um mit sich selbst im Reinen zu sein. Außerdem helfen Achtsamkeitsübungen wie Yoga und Meditation, inneren Zwängen zu widerstehen. Beim ersten Gefühl von Stress oder Unruhe kann der Gedanke an etwas Schönes oder ein gutes Lied helfen, sich abzulenken. Dennoch ersetzen das Ablenken von Arbeit und privaten Aufgaben keine Behandlung von der Angst vor eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten.

Tipps für den Alltag

  • Dinge bis zu einem gewissen Maßstab erfüllen, aber ein persönliches Limit setzen
  • „gute" oder „sehr gute" Ergebnisse reichen, es muss nicht „perfekt" sein
  • Stress reduzieren, z.B. statt zu hetzen eine Verspätung von ein paar Minuten in Kauf nehmen
  • sich zwischendurch kleine Verschnaufpausen erlauben

Wir sind für Sie da

Wir setzen auf ein Behandlungsumfeld, das Bindung und Lebensfreude möglich macht. Gerne beraten wir Sie zu unserem Angebot.

+49 2235 4665 2500

Wie äußert sich Perfek­tionismus?

Betroffene Menschen verknüpfen ihr Selbstwertgefühl auf übersteigerte Weise mit dem Erbringen von Leistung(en). Sie verspüren den starken Drang nach hohen Standards für die eigene Perfektion. Schon der kleinste Fehler bereitet ein ausgeprägtes Gefühl von Unbehagen. Perfektionisten sind der Auffassung, dass sie Anerkennung und Akzeptanz von anderen Menschen hauptsächlich für das hervorragende Erledigen von Aufgaben und das Erbringen von hochwertigen Leistungen erhalten.

Der Blick des Perfektionisten richtet sich vorwiegend auf die Fehler und das Versagen durch das Erbringen scheinbar unzureichender Leistung. Daraus entsteht ein starker Leidensdruck, sobald der Perfektionist nicht konstant in der Lage ist, seine außerordentlich hohen Maßstäbe an die eigene Leistung zu erfüllen. Durch diese Situation ist die Entstehung von psychischem Druck und diverse andere Symptome sehr wahrscheinlich. So kann zum Beispiel ein Aufschiebeverhalten (Prokrastination) entstehen. Dieses und andere psychische Störungen sind typisch für Betroffene, da sie selbst unbewusst Kritik an ihrer Arbeit äußern und immer wieder Gründe finden, ihre Ergebnisse als nicht gut genug zu deklarieren, obwohl sie von ihrem Umfeld zumeist positive Kritik erhalten.

Welche Formen des Perfektionismus gibt es?

Das übermäßig ausgeprägte Streben nach Perfektion wird nach seiner Art der Entstehung unterschieden. Liegt es persönlichkeitsbedingt als Temperament eines Betroffenen vor,  resultiert der ungesunde Perfektionismus aus dem angeborenen Verhalten einer von „harm avoidance“ geprägten Persönlichkeit. Menschen mit diesem Persönlichkeitsmerkmal möchten Fehler sowie Risiken und potenziell negative Folgen um jeden Preis vermeiden. Perfektionistische Menschen können diese Haltung und ihr perfektionistisches Verhalten jedoch auch im Laufe ihres Lebens ausprägen – beziehungsweise erlernen. In diesem Fall ist das Leiden des Perfektionisten Teil einer anankastischen Persönlichkeit und somit auch Teil einer zwanghaften Verhaltensweise.


In der Interaktion mit ihrer Umwelt geraten Menschen mit einem eher zwanghaften Streben nach Perfektion oft in Konflikte mit anderen. Zumeist tragen perfektionistische Menschen interne Konflikte mit sich selbst aus, da sie ihren eigenen (Rollen-)Erwartungen nicht gerecht werden können. Dies erweist sich im Alltag als problematisch. Eine Tendenz in Richtung des dysfunktionalen Perfektionismus könnte bei einem hohen Leidensdruck des Betroffenen auf eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung hinweisen, dazu sollte jedoch in jedem Fall eine ausführliche Diagnostik durch einen Facharzt oder psychologischen Psychotherapeuten erfolgen.

„Auch nach Ihrem Aufenthalt sind wir telemedizinisch für Sie da.“

Professor Dr. Isa Sammet

Klinikdirektorin und Chefärztin
Libermenta Klinik Schloss Freudental

Entstehung von Perfek­tionismus

Eine perfektionistische Haltung sowie perfektionistisches Verhalten können zum Teil genetisch determiniert, also angeboren sein. Verschiedene psychologische Faktoren, wie z. B. Neurotizismus und Gewissenhaftigkeit, die erwiesenermaßen mit Perfektionismus in enger Verbindung stehen, sind zu 50 Prozent durch eine genetische Disposition geprägt. Der Wunsch danach, perfekt zu sein und auch so zu handeln, kann ebenfalls durch Umwelteinflüsse verstärkt werden. Hier spielen die Erziehung und eine Prägung durch die Peergroup der Gleichaltrigen eine entscheidende Rolle. Insbesondere ein Elternhaus mit wenig bedingungsloser Akzeptanz und fehlender Wärme begünstigt die Entwicklung von krankhaftem Perfektionismus bei jungen Menschen. Beim Perfektionismus als Teil einer anankastischen Persönlichkeit manifestiert sich dieser eher als angstvolles Vermeiden, für das sich der Perfektionist entschieden hat.

Folgen für das Leben von Perfektionisten

Perfektionisten benötigen im Berufsalltag oft vergleichsweise lange, um Ergebnisse zu erreichen. Sie können häufig schlecht delegieren, da sie vieles selbst erledigen wollen, um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Das daraus resultierende Gefühl, nie fertig zu werden, belastet die Perfektionisten und kann zu seelischen Beeinträchtigungen im Alltag führen. Langfristig ist die Gesundheit durch den vorherrschenden Ehrgeiz in Kombination mit dem entstehenden Stress von Burnout, Ängsten oder Depressionen bedroht. Für dysfunktionale Perfektionisten ist nicht nur das Burnout-Syndrom eine mögliche Folge eines übersteigerten Bedürfnisses zu perfekten Ergebnissen; auch Essstörungen, soziale Phobien, Alkoholismus, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Depression, Angst- und Zwangsstörungen und sexuelle Funktionsstörungen können als Reaktion auf den chronischen Belastungsstress entstehen.


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